Wie aus einer anderen Zeit

Lenin und seine Nachfolger

Vor kurzem habe ich mit meinem Mann und Freunden eine Reise nach Kiew gemacht. Wo ist das? Eigentlich liegt die Stadt fast im geographischen Zentrum Europas. Mit einem Direktflug ist man aus München in nicht mal zwei Stunden dort. Wer hätte das gedacht? Kiew liegt also von München so weit entfernt wie Madrid oder Rom, wie Stockholm oder London. Geographisch zumindest. Kuturell und zeitgeistig ist die Entfernung allerdings viel größer.

Nostalgie und Pomp

Wenn man im Flieger ankommt, wird man bei der Passkontrolle gebeten, ein Formular auszufüllen, in dem man die Adresse seines Aufenthaltsortes in der Ukraine angeben muss. Viele Ausländer versetzt es natürlich in Panik: Oh, ich habe die Adresse gar nicht, ich werde abgeholt. Oder wie lautet denn die Strasse überhaupt? Diese kyrillischen Schriftzeichen sind so komisch. Es hilft nicht, Ausreden werden nicht akzeptiert. Dabei braucht man keine Angst zu haben, denn die Ortsangaben prüft ja eher keiner nach. Sie haben einfach vergessen, die Regeln aus früheren Zeiten abzuschaffen. Daher ruhig in das Feld “Adresse” Leninstrasse oder Karl-Marx-Platz, Karl-Liebknecht-Boulevard oder Rosa-Luxemburg-Gasse angeben. Die gibt es immer in jedem Ort.

3 Responses to 'Wie aus einer anderen Zeit'

  1. beefheart Says:

    Bei einer Reise nach Bulgarien vor sechs Jahren mußte ich einmal auf einer Zollstation eine Erklärung unterschreiben, deren Inhalt mir bis heute unbekannt ist – sie war kyrillisch geschrieben, abgesehen davon hätte unser bulgarisch sowieso nicht ausgereicht.
    Unser einziger “Fehler” war, daß wir in der Nähe der Staatsgrenze gewandert sind, wobei die Staatsgrenze in Bulgarien schon 30 Kilometer vor der eigentlichen Grenze zu liegen scheint.
    Der Oberzollbeamte fuhr übrigens einen Audi mit deutschem Kennzeichen und fehlender TÜV-Plakette.

    Wahrscheinlich stand in der Erklärung, daß ich das bulgarische Volk lieben und ehren werde bis an mein Lebensende. Vielleicht aber auch das Gegenteil. Egal, ich durfte das Land wieder verlassen.

    Die Ukraine steht Formularmäßig da sicherlich nicht hinten an. Mal sehen. Irgendwann reise ich da auch mal hin.

  2. JuliaGulia Says:

    hui, die Ukrainer sind ja lustig. Wie in USA. Die wollen auch immer so bescheuerte Formulare ausgefüllt haben und bei der Passport-Kontrolle fragen die einen dann so misstrauisch, wie lange man bleibt und was man so vor hat. Ich glaube jedoch, dass die Amis nicht so gerne den Karl-Marx-Platz als Adresseangabe sehen möchten :-)

  3. olkopone Says:

    Naja, die deutschen Zoll- und Grenzbeamten sind in der Hinsicht nicht wirklich viel besser, Du hast es bloß, Julia, nie erlebt – der grüne deutsche Pass hat es Dir erspart! ;-) Sei froh, dass Du der deutschen Penibelkeit an der Grenze nicht unterzogen wurdest – danach erscheinen die Ukrainer und Bulgaren mit ihren melancholischen und etwas schläfrigen Grenzkontrollen ein Segen!

Leave a Comment

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>